In den USA zeichnet sich seit einigen Jahren ein deutlicher Trend ab: Menschen über 65 konsumieren zunehmend Cannabis. Besonders auffällig ist, dass dieser Zuwachs vor allem unter gebildeten und finanziell gut abgesicherten Personen sowie unter Frauen zu beobachten ist.

Der Boom hat mehrere Ursachen. Zum einen haben inzwischen zahlreiche Bundesstaaten Marihuana legalisiert, was Hemmschwellen abbaut und gesellschaftliche Vorurteile schwinden lässt. Zum anderen gibt es inzwischen belastbare Daten, die zeigen: Keine andere Altersgruppe in den USA verzeichnet aktuell einen so schnellen Anstieg beim Cannabiskonsum wie die Generation 65 plus.

Laut einer Analyse der National Survey on Drug Use and Health (NSDUH), veröffentlicht im Fachjournal Jama Internal Medicine durch ein Forschungsteam der New York University, gaben 2023 rund sieben Prozent der älteren Erwachsenen an, im Vormonat Cannabis konsumiert zu haben. Damit liegt die Zahl so hoch wie nie zuvor.

Vom Randphänomen zum Alltag

Noch 2006/2007 lag der Anteil der über 65-Jährigen, die im vergangenen Jahr Marihuana konsumiert hatten, bei weniger als einem Prozent. 2015 waren es bereits 2,4 Prozent, 2018 dann 4,2 Prozent. Mit der Umstellung der Umfrage 2021 – nun wurde gezielt nach dem Konsum im letzten Monat gefragt – stiegen die Zahlen weiter: 4,8 Prozent (2021), 5,2 Prozent (2022) und schließlich 7 Prozent im Jahr 2023. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung der USA liegt der Anteil der Konsumierenden bei knapp 16 Prozent, mit den meisten Nutzerinnen und Nutzern zwischen 18 und 25 Jahren.

Besonders bemerkenswert: Immer häufiger sind es verheiratete, weiße Personen mit akademischem Abschluss und einem Jahreseinkommen von über 75.000 US-Dollar, die Cannabis für sich entdecken. Das legt nahe, dass die Droge längst nicht mehr nur in Subkulturen verbreitet ist, sondern zunehmend auch in wohlhabenderen und gebildeten Milieus akzeptiert wird.

Kostenfrage und gesundheitliche Motive

In Bundesstaaten, in denen medizinisches Cannabis zugelassen ist, greifen Seniorinnen und Senioren besonders häufig zu. Allerdings sind die Kosten hoch, sodass vor allem Besserverdienende Zugang haben. Während 2021 gerade die einkommensstärksten Gruppen noch die geringsten Konsumraten aufwiesen, hatten sie 2023 die höchsten.

Ein weiterer Grund für die wachsende Beliebtheit: Viele Ältere erhoffen sich Linderung bei chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder Angstzuständen. Die Studie zeigte, dass insbesondere Menschen mit Erkrankungen wie Herzproblemen, Diabetes, Bluthochdruck, Krebs oder COPD vermehrt Cannabis nutzen.

Chancen und Risiken

Geriater wie Benjamin Han von der University of California warnen jedoch vor Selbstmedikation. Cannabis könne zwar Symptome lindern, aber auch die Behandlung anderer Krankheiten erschweren oder mit Medikamenten interagieren. Zudem verändert sich der Stoffwechsel im Alter, was dazu führt, dass THC länger im Körper bleibt. Dadurch können Nebenwirkungen wie Schwindel, erhöhte Sturzgefahr oder kognitive Beeinträchtigungen verstärkt auftreten.

Tatsächlich berichten US-Kliniken bereits von einem deutlichen Anstieg älterer Menschen in Notaufnahmen aufgrund von Cannabisgebrauch. Forschende empfehlen deshalb, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Patientinnen und Patienten gezielt nach Cannabiskonsum fragen und über mögliche Risiken aufklären.

Blick nach Österreich

Während in den USA immer mehr Daten zu Cannabis im Alter vorliegen, ist die Lage in Österreich unklar. Strenge gesetzliche Regelungen und eine eher ablehnende gesellschaftliche Haltung führen bislang dazu, dass ältere Menschen hier seltener offen über ihren Konsum sprechen – und die Zahlen entsprechend niedrig bleiben.

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